22 Feb
von KES
Wenn jemand nicht richtig lesen und schreiben kann, ist er in unserer Gesellschaft von vielen Tätigkeiten und Möglichkeiten ausgeschlossen. Das Lesen von Lebensmittelverpackungen, Kinoplakaten und Fahrplänen sind Alltagssituationen, denen die Betroffenen nicht gewachsen sind. Auch Beipackzettel und Gesetzestexte sind meist unlesbar für sie. Medien wie das Internet oder das Faxgerät können funktionale Analphabeten nicht nutzen. Oft bedeutet dies für die betroffenen Menschen, dass sie sozial ausgegrenzt werden und ihren Arbeitsplatz verlieren beziehungsweise erst gar keinen Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten. Bildungsangebote und Qualifizierungen werden nicht wahrgenommen, weil bereits für die Anmeldung ein Formular ausgefüllt werden muss.
Laut LEO-Studie können in Deutschland ca. 7,5 Mio. Menschen im erwerbsfähigen Alter maximal einzelne Sätze lesen und schreiben, viele von ihnen nur einzelne Wörter. Bezeichnet werden die Betroffenen als funktionale Analphabeten. Die Betroffenen können trotz langjährigen Schulbesuchs kaum lesen und schreiben. Funktionaler An-Alphabetismus bedeutet für sie, dass sie in der Lage sind ihre eigenen Namen und einige Worte schreiben können, doch verstehen Sie den Sinn eines etwas längeren Textes nicht oder nur mit unangemessenen Zeitaufwand. Oftmals liegt hier die Lese- und Schreibkompetenz auf dem Niveau eines Schülers oder einer Schülerin der dritten Klasse.
Im Rahmen seiner Zuständigkeit engagiert sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit Jahrzehnten im Bereich Alphabetisierung. 2006 hat das BMBF seine Förderung neu ausgestaltet und in einem Förderschwerpunkt «Forschung und Entwicklung zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener» gebündelt. Mit einer Fördersumme von rund 30 Millionen Euro (2007 - 2012) werden insgesamt 24 Verbundvorhaben mit über 100 Einzelprojekten gefördert.
Arbeitsplatzbezogene Grundbildung
An-Alphabetismus ist nicht nur für Betroffene sehr problematisch, sondern hat auch in Hinblick auf den Arbeitsmarkt fatale Auswirkungen. Immerhin 57 Prozent der Betroffenen gehen einer Beschäftigung nach. Durch die stetig steigenden Anforderungen in der Arbeitswelt öffnet sich die Schere zwischen den Anforderungen am Arbeitsplatz und den Kompetenzen der Betroffenen.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Kultusministerkonferenz (KMK) verfolgen in der arbeitsplatzbezogenen Grundbildung eine neue Strategie, die den Schwerpunkt auf arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener legt. Ziel ist es neue Ansätze und Methoden zu entwickeln. Dabei muss zunächst das Interesse der Arbeitgeber geweckt werden. In einem weiteren Schritt muss die arbeitsplatzbezogene Alphabetisierung und Grundbildung in die Personalentwicklung integriert werden. Hierfür liegt bereits ein Leitfaden vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) in Kooperation mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V., Regionalbüro Darmstadt vor.
Weitere Informationen zur Nationalen Strategie für Verringerung der Zahl funktionaler An-Alphabeten unter: http://www.bmbf.de/de/426.php
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